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Prägnante Gebäude und Denkmale

Zu den ältesten Gebäuden werden im Schrifttum des 19. Jahrhunderts vier Angaben gemacht. Drei davon liegen im geschichtlich gesehen zweiten Siedlungskern Rieders, der einstigen Sumpflandschaft zwischen Kahlenberg und Thie- bzw. Schierberg, die im 12. Jahrhundert urbanisiert wurde: Kirche, Rathaus und ein weiterer, extra genannter Turm: „Ein Wartturm befindet sich im Gehöft des Herrn Gutsbesitzers Wendenburg. Es ist ein starker viereckiger Bau, zum Teil abgetragen, und hat jetzt noch eine Höhe von ca. 12 m“, heißt es im 1892 in Dessau und Leipzig von Büttner Pfänner zu Thal bearbeiteten und erschienenen Buch: Anhalts Bau- und Kunstdenkmäler. Konkreter wird das Verzeichnis der Baudenkmale im Landkreis Quedlinburg von 2003: Rathaus und Kirche bestimmen danach den angerartigen Platz um den Teich, auf den sich große Hofanlagen strahlenförmig ausrichten. Dieser „städtebaulich reizvolle Flecken des Dorfes“ ist als Denkmalbereich eingestuft und durch die Dorferneuerung nach 1990 neu gestaltet und saniert worden. Der genannte Turm wurde im 20. Jahrhundert immer mehr abgetragen und ist heute nicht mehr vorhanden. Seinen Standort lässt nur noch die Turmgasse erahnen. Doch wurde er ähnlich dem Kirchturm beschrieben und wäre bauzeitlich ebenso in das 12. Jahrhundert einzuordnen. Spätromanischen Ursprungs ist somit nur noch der Kirchturm. Beide Türme markierten das neue Siedlungsgebiet: der Kirchturm an den Quellen am Fuße des Kahlenbergs und der Wartturm am Zusammenfluss der neu gezogenen Gräben in der Niederung. Das romanische Kirchenschiff wurde im 15. Jahrhundert durch einen gotischen Neubau ersetzt. Alle anderen Gebäude sind nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden.

 

Ein Bild aus dem 18. Jahrhundert vermitteln neben Rathaus und angrenzendem Wohnhaus einige Fachwerkhäuser am Teich – eins mit einem Taubenturm - und ein Wohnhaus an der Turmgasse. Zu Kirche und Rathaus erfolgen an dieser Stelle keine näheren Angaben. Die Häuser in der Rathausstraße sind überwiegend Zeugnisse des durch enorme Saatzucht wohlhabend gewordenen Bauernstandes, besonders das spätklassizistisch palaisartiges Gebäude (Unterhof) um 1880 erinnert daran. Auch jüngere Eingriffe haben das Erscheinungsbild in der Rathausstraße stark verändert. Der Hof an der Turmgasse ist von orts- und regionalgeschichtlicher Bedeutung. Der bereits genannte romanische Wartturm gehörte wahrscheinlich zum Sitz der Familie von Redere. Das Geschlecht wird erstmals 1155 mit Ardnold de Redere urkundlich erwähnt. Die Familie verlässt um 1300 Rieder und erscheint später in der Mark Brandenburg, wo sie zum Uradel zählt. Als deren Stammsitz gilt der anhaltische Ort Rieder (Redere), von dem sie sich herleitet.

 

Der Schäferplatz - der zweite zentrale Platz des Dorfes - wird heute durch den Kaufhallenbau von 1989 und dem Feuerwehrdepot mit dem Erweiterungsbau von 2001 dominiert. Der Schäferplatz ist als von Straßen umgrenzte grüne Mitte neu gestaltet. Im Gegensatz zum geschlossenen, angerartigen Platz um den Teich führen von hier Straßen in alle Richtungen. Einige ortstypisch ummauerte Hofanlagen befinden sich noch auf der östlichen Seite. Vom Schäferplatz wurden bis ins 19. Jahrhundert Schafe, Rinder und Kühe durch die Gemeindehirten zur Waldweide oder auf die Brachfelder getrieben. Die 'Riedersche Trift' erinnert daran. Oft wurde der Schäferplatz durch Hochwasser und Gewittergüsse überflutet. Was sich bei all den Veränderungen, bis auf die heute dominant wirkende neue Durchgangsstraße erhalten hat, ist das alte Wegenetz. Das Wegenetz fußt auf die Erschließung im 12. Jahrhundert. Rieder zeigt sich in diesem Ortsteil versteckt als ein Ort des Wassers. Im Dorfbild stößt man immer wieder auf Brunnen und Sackgassen erinnern - bildlich gesehen - an ein Fließ, das zum Graben rinnt. Die Achse dieses Ortsteils verläuft geschichtlich gegründet von Süd nach Nord. Die über Jahrhunderte dominante Achse mit den angrenzenden Plätzen wurde seit dem 19. Jahrhundert funktional ausgelichtet. Diese Entwicklung hat 1853 mit dem Bau der neuen Elementar-Schule begonnen und betrifft heute auch Handwerk und Landwirtschaft, sowie den Gasthof. Und noch immer umschließen Mauerfronten viele Häuser wie eine regelrechte Burg. Wohl aus der Erfahrung vieler kriegerischer Durchzüge und Forderungen zum Unterhalt der Besatzungstruppen im Dreißigjährigen Krieg genährt.

 

Anton Fiege / Heimatstube Rieder